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Niemand will die Feder führen

Der Bachverein Aarau möchte für Menschen, Tiere und Pflanzen die Mündung der Suhre in die Aare attraktiver machen.

Das Projekt «Suhrespitz» möchte naturnahen Lebensraum für Tiere und Pflanzen und Erholungsraum für Menschen bieten und die Suhre «befreien». Das Vorbild heisst «Limmatspitz», wo die Limmat in die Aare fliesst.

In einem angeschwemmten Wurzelstock versteckt sich ein Zaunkönig; auf einem Schuttkegel scharrt eine Bachstelze: Am Lauf der Suhre, wenige hundert Meter oberhalb der Mündung, hat die Suhre Gebiet gestaltet. Peter Jean-Richard schwärmt. Die Überschwemmungen im Herbst 2006 haben zwar die Renaturierungsarbeiten teilweise zerstört, dem Fluss aber Gelegenheit gegeben, seinen Raum zwischen Ara und dem befestigten rechten Ufer nach seinem Gusto zu gestalten. Entstanden sind unterschiedlichste Biotope. Und so stellen sich der Bachverein Aarau und die Arbeitsgruppe Natur und Umwelt der Region Aarau das Projekt «Suhrespitz» vor. Lebensraum für Pflanzen und Tiere, Erholungsgebiet für Menschen.

Anschluss an Aare-Artenpool

Es geht bei diesem Projekt um die Aufwertung der Suhre im Mündungsbereich in die alte Aare. Die Grundidee: Die Suhre soll mehr Freiheit bekommen. «Die befestigten Dämme und Uferverbauungen unterbinden dynamische Prozesse in den Fliessgewässern», sagt Peter Jean-Richard. Die Lebensräume blieben monoton und banal. Das Projekt sieht vor, dass die Wanderwege, bis jetzt auf den Dämmen verlaufend, auf dem linken Ufer an die Grenzen der Ara zurückversetzt werden. Das Gebiet dazwischen soll der Suhre zurückgegeben werden. Die Suhre soll wieder an den «Artenpool» der Aare angebunden werden. Mit der Blockrampe («Stromschnelle») zwischen renaturiertem Gebiet und Mündung, die beispielsweise der Nase (Fischart) den Aufstieg ermöglicht, könne man Erfolge vorweisen: Laichplätze im oberen Suhrelauf.

Brücke versetzen

Das ehemals «eingeländrige Brüggli» bei der Suhremündung hat inzwischen zwar auch auf der Südseite ein Geländer, doch genüge die Brücke mit ihrer geringen Breite heutigen Ansprüchen nicht mehr, sagt Jean-Richard. Komme dazu, dass bei Hochwasser an der Verankerung in der Suhre Äste hängen blieben und stauten. Er plädiert für eine Versetzung der Brücke, weg von der Mündung. Der vorgeschlagene Standort ermöglichte den Blick auf die Schnellen. Der Wanderweg über die Suhre würde über diese Brücke führen. Zum «Suhrespitz», zur eigentlichen Mündung, wo eine Bank zum Verweilen lädt, käme man aber trotzdem noch, denn es gehe ja nicht um ein Naturschutzgebiet.

Just bei der Mündung liegen noch Betonplatten im Wasser. Sie sollen die Suhrensohle stabilisieren, die Erosion verhindern. Der Kanton will durch eine Neugestaltung die Vernetzung erleichtern (Auftrag Ausgleich Staffeleggstrasse). Konkret: Fische sollen in die Suhre gelangen können. Die Idee des Bachvereins: Zurücksetzung in die Nähe der Stelle, wo die Ara-Leitung die Suhre unterquert. Das gereinigte Wasser aus der Ara wird nämlich unter der Suhre hindurch in der Nähe des Staffelegg-Zubringers in die Ara geleitet. Lasse man die Suhre an der Sohle erodieren, sei diese Leitung gefährdet, sagt Jean-Richard.

Günstiger Zeitpunkt

Peter Jean-Richard sieht in den Aufwertungsprojekten in der Umgebung (ökologischer Ausgleich Staffelegg-Zubringer, Auenpark Rohr) zwei Argumente dafür, das Projekt «Suhrespitz» möglichst rasch an die Hand zu nehmen. Ökonomisch: Die Maschinen wären schon da, um die Eingriffe zu machen. Ökologisch: Das Projekt könnte Lücken schliessen zwischen Auengebieten Summergrien und Auenpark Rohr. Zudem liesse sich der Grenzraum zwischen den Fusionspartnern Aarau und Rohr aufwerten, ein Akt durchaus mit symbolischer Bedeutung.

Mithilfe ja – Federführung nein

Der Bachverein Aarau ist im Gespräch mit möglichen Trägern des Projekts. Jean-Richard: «Es bieten sich der Kanton Aargau und/oder die Stadt Aarau an.» Für den Kanton, so Hans Marti, Projektleiter Wasserbau, habe eine Aufwertung der Suhre in diesem Bereich nicht Priorität. Er signalisiert aber die Bereitschaft des Kantons, mitzuarbeiten, wenn die Stadt Aarau die Federführung übernimmt. Für Stadträtin Jolanda Urech ist klar, dass der Eigentümer, der Kanton, die Federführung übernehmen müsste. Sie meint, dass ein Weg zu finden wäre, wenn der Kanton aktiv würde. Die Argumente beider Seiten sind dieselben: fehlende personelle und finanzielle Ressourcen. Urech könnte sich ein ähnliches Vorgehen wie beim Frey-Kanal vorstellen: Gespräche. Das erwartet auch Peter Jean-Richard, denn zu klären sei zudem, wem das «Brüggli» bei der Mündung gehöre.